Cuba 2012

Dieses Jahr sind wir wieder zu Zweit – Frankie und ich. Jetzt wollen wir uns Santiago ansehen und mit dem Mietwagen zurück nach Havanna fahren. Wir  verbringen immer gerne die Tage am Meer, um abends eine nahegelegene Stadt zu erkunden. So haben wir uns im Vorfeld wieder von SoliArenas ein Paket schnüren lassen. Der Plan :

Havanna , Privatpension Casa Prada – 3 Tage all incl. im Hotel Bucanero, Santiago Strand – Mietwagen nach Camagüey , Übernachtung – weiter nach Trinidad ( 2 Übernachtungen ) – Cienfuegos ( 2 Übernachtungen ) – Havanna, Atlantico.

Leider ging der Plan nicht ganz auf, weil wir ein paar Tage vor Abflug erfahren haben, dass das Bucanero nicht mehr existiert. Einfach vom Hurricane und der Flut verschluckt. Es gab bereits einige Warnungen, das Gebiet womöglich zu meiden, weil alles zerstört ist und auch teilweise die Cholera ausgebrochen sei. Wir ließen uns nicht beirren, haben 2 Nächte in Santiago Mitte gebucht, 1 Nacht im Casa Particular ( weil das Casagranda überbucht war ). So, wir waren sehr gespannt !

Wir kommen am 12.11. in Havanna an und suchen erstmal das Casa Prado. Gefunden ! Merkwürdig, aber ganz lustig. Verbretterte Eingangstür, ein Innenhof – Aufgangstreppen zu den Zimmern. Direkt am Boulevard in Richtung Zentrum. Zu den Zimmern kommen wir erst garnicht, weil es heißt, das Haus wäre geschlossen. Ein recht cooler , junger Typ, der gut Englisch spricht, geleitet uns in ein anderes Haus, das der selben Besitzerin gehört. Sie ist Deutsche ! Alles etwas beschwerlich, Treppen rauf – 2. Stock – aber, hat sich gelohnt. Sehr freundliche Leute, schönes Haus, schöne Zimmer, alles perfekt. Einige Europäer, die zum großen Havanna Marathon gekommen sind. ( Was es nicht alles gibt ! Zum Marathon nach Cuba )  – Bilder :

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Nicht gerade landestypisch insofern, dass zu erkennen ist, es ist Geld vorhanden; aber doch wieder sehr typisch Havanna Style. Wir fühlen uns wohl.

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Jeder ein eigenes , großes Zimmer. Raucherlounge an der offenen Balkontür mit schönem Blick auf die Kathedrale.

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Ein großes Hallo wieder mit Georges, der sich direkt am selben Abend wieder Zeit für uns nimmt. Seinen Caddy hat er nun mit einem 8 Zylindermotor aufgepimpt und wir können gleich mal testfahren. Großartig ! Ein sehr relaxter, geiler Abend. Wieder zurück in der 2. Heimat ! Ich liebe es !

Am nächsten Morgen , diesmal haben wir Zeit für schönes Frühstück, noch ein Gespräch mit den wahnsinnigen Marathonläufern und fertigmachen zum Abflug nach Santiago.

Das Hotel : Casagranda, direkt im Zentrum am Stadtpark. Treppen hoch – geile Bar, überdacht, nach 2 Seiten offen mit Blick auf den Park, wo leider keine Bäume mehr stehen, weil sie der Hurrycan mitgenommen hat. Die Stadtgärtner sind schon fleißig am arbeiten. Die Pflanzlöcher sind ausgehoben, die neuen Palmen liegen parat.

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Ganz oben im Hotel gibt es noch eine Bar mit fantastischem Ausblick auf die Stadt und umliegende Berge. Die Berge, wo sich Fidel in den Jahren der Revolution versteckt hat.Das schauen wir uns später noch genauer an. Erstmal die Aussicht genießen. Von hier oben sieht man auch sehr gut, was der Sturm alles angerichtet hat. Der Stadtkern war nicht so sehr betroffen. Dächer waren abgedeckt und das Stromnetz wurde außer Gefecht gesetzt.

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Hier einige Bilder von der Dachterrasse

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Im Verhältnis zu Havanna wirkt der Stadtkern von Santiago ziemlich ausgestorben – zumindest heute. Wir fragen nach einem Restaurant in der Nähe. Ein Taxifahrer führt uns zu Fuß durch leere Straßen in ein Freiluft – Lokal im 2. Stock. Sehr romantisch, wir sind die einzigen Gäste ! Geschmeckt hat`s gut. Der Taxifahrer trifft uns im Hotel wieder und wir machen direkt einen super Deal. Er steht uns für die nächsten 3 Tage exklusiv zur Verfügung . Er spricht gut Englisch – wir sind froh, er ist froh – wieder mal perfekt ! Wir können uns auf ihn verlassen. Zur verabredeten Zeit steht er am nächsten Morgen vor der Tür.

Die Sonne strahlt, 30 Grad, wir wollen zum Strand. Schwierig, sagt der Driver, alles zerstört ! Egal, wir fahren zum berühmten Strand von Siboney ( kennt man vom Song ). Schon der Weg dorthin ist interessant. Viel Kleinholz . Wir kommen an und sehen eine Menge Menschen, die teils nur dastehen, reden, ziemlich relaxed eigentlich. Sie schauen zu, wie die übriggebliebenen Reste abtransportiert werden. Wir haben ziemlichen Durst, sehen uns um – es gibt nichts. Hier unsere Handtücher auszubreiten und in der Sonne zu liegen, erscheint uns doch zu pietätlos.

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Es hat keinen Sinn, wir fahren weiter. Der Fahrer, nennen wir ihn mal Carlos, kennt noch einen See in den Bergen; sehr beliebt bei den Einheimischen. Auf dem Weg dorthin lässt Carlos seinem Unmut freien Lauf. Die Häuser sind zerstört. Die Wellblechdächer abgedeckt. ( Wenn es in den Nachrichten heißt : 2000 Häuser zerstört, dann hat das wohl seine Richtigkeit. Aber ähnlich, wie in den USA, wo die Häuser in Streichholzmanier gebaut sind, hat der Sturm nätürlich auch hier kein Problem die Dinger zu zerstören ) Die Menschen wohnen in diesen Hütten und sie sind nun mal zerstört. Sie bauen sie wieder auf, aus selbstgemachten Lehmziegeln – aber das Dach fehlt. Jetzt kommt das Problem, das Carlos so wütend macht. Ein Dach aus Blech kostet ca. 80 €. Der Staat gibt den Leuten 50% Rabatt beim Neuerwerb. Sie haben aber keine 40 € und so regnet es halt für die nächsten Wochen rein. So einfach ist das. Touristen, die Geld bringen, bleiben aus.

Wir sehen den See schon von oben. Kein Mensch da. Das Wasser ist grasgrün. Wir drehen um und fahren weiter, die Küste entlang. Wir sehen eine breite Schneise und eine Bucht, die, wie Carlos sagt, vorher nicht da war. Hier ist der Cyclon mit voller Wucht hereingebrochen und hat eine neue Bucht erschaffen. Ein paar Kilometer weiter entdecken wir ein Fleckchen Strand, wo was los ist. Hier bleiben wir.

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Erst etwas befremdlich, weil wir aus einem kleinen Ghettoblaster gleich mit deutschen Schlagern empfangen werden. Deutsche Wänste mit Chicas ? Egal, wir bleiben und stellen fest, dass hier sich alles versammelt was irgendetwas zu bieten hat. Du willst ein Cola, die Jungs rennen irgendwo hin und kommen mit einer eiskalten Cola. Du kannst Fische essen, Bier trinken, alles was Du willst. Es gibt natürlich auch Mädels, die aber sehr unaufdringlich auf sehr nette Art sich ungezwungen unterhalten. Wir können wieder mal nur den Hut ziehen, wie die Leute solche Situationen zum x-ten Mal überstehen. Alle gut gelaunt und sehr angenehm freundlich. Carlos genießt seine Arbeitszeit ruhend unter einer Palme. Frankie liegt da, wie der Pascha, auf einer Lazaretttrage von annodazumal, von allen möglichen Jungs und Mädels umringt.

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Carlos schlägt vor, morgen in die Berge zu gehen, um eine Kaskade, wie man sie nur von Filmen kennt, zu besuchen. Das nehmen wir uns vor. Am abend kutschiert er uns noch an die angesagten Plätze in der Stadt und wir haben eine gute Zeit. Gegen End des Abends merkt Frankie aber bereits, dass irgendwas nicht stimmt.

Am nächsten Morgen, als uns Carlos abholt, ist schon klar, dass tatsächlich irgendwas nicht in Ordnung ist. Wir machen uns auf den Weg zu den Kaskaden, in den Bergen, dschungelähnlich, wo sich angeblich Fidel mit seiner Truppe versteckt haben soll. Mit dem Taxi durch ziemlich unwegsames Gelände, erschwert, von geknickten Baumstämmen. Parkgelegenheit bei einem einsamgelegen Bauernhof. Es ist gnadenlos heiß hier. Frankies Gesichtsfarbe wechselt von blass über grün bis rot. Von hier aus wären es noch ca. 30 min Fußmarsch. Das T- shirt ist schon zuviel, klatschnass. Ich zieh es aus, aber auch gleich wieder an, aus Angst vor den Mücken. Frankie wird zusehends schwächer, braucht Rast. Er keucht schon und mir wird klar, das schafft er nicht. Er meint noch, wir sollen dahin laufen, ohne ihn. Er wartet solange. Wir brechen natürlich ab und laufen zurück zum Auto. Ich mach mir schwere Sorgen ! Denge Fieber ? Cholera ? Oh Mann , er wirft sich auch noch vor, mir den Tag versaut zu haben und entschuldigt sich !

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Wir fahren zurück zum Strand, wo er rührend umsorgt von den Einheimischen, noch den ganzen Nachmittag auf der Trage aushält. Es wird schon wieder gehen, meint er. Abends verbringt er auf dem Zimmer und ich lauf noch den Bezirk ab. Wir sind inzwischen umgezogen in ein Casa particular. Sehr kleines Zimmer, ziemlich stickig. Plötzlich bricht Frankie aus ! Er schreit nachts um 2 Uhr das ganze Haus zusammen, will das Telefon um sich bei Georges zu beschweren. Als er dann Georges mehrmals mit falschem Namen anspricht, wird mir klar : er fantasiert – hohes Fieber. Hoffentlich geht das gut. Ich bin froh, dass ich wohlauf bin und beschwichtige erstmal unseren Haus Padrone. Die Medizin, meine mitgebrachte Jumbo Ration Gummibärchen putzt er weg. Anscheinend hats geholfen ! Am nächsten Morgen gehts schon wieder wesentlich besser. Gott sei Dank, wir können die Reise fortsetzen. Harter Hund !

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Mit Cuba Cars haben wir vereinbart, den Mietwagen am Hotel Casagranda in Empfang zu nehmen. Ich stehe auf der Terasse im Eingangsbereich und warte. Wir sind bereits eine Stunde über der verabredeten Zeit und erkundige mich an der Rezeption, ob sich jemand von Cuba Car nach mir erkundigt hat. Negativ. Ich entdecke ein großes Büro von der Autovermietung gegenüber – geschlossen. Ich werde nervös, suche die Umgebung ab und finde ein kleines Büro, mit anderem Namen im EG des Hotels. Ich frage nach, wann das Büro von CC wieder besetzt ist und erfahre, dass ich hier richtig bin. Ja toll, ist mal wieder typisch, gut dass man nicht auf`s Maul gefallen ist ! Du musst halt immer viel reden hier, sonst biste verratzt. 

Am Morgen danach solls weitergehen nach Camagüey und weil wir befürchten, den Weg zur Autobahn nicht auf Anhieb zu finden, bitten wir Carlos, uns dort hin zu geleiten. 10 Uhr war vereinbart – sonst immer pünktlich, kommt er ausgerechnet heute 1 Stunde zu spät. Und das, obwohl er noch Geld von uns bekommt. Wir haben schon das Geld unserem Casa Particular Vermieter ausgehändigt, mit der Bitte, es Carlos zu übergeben. Der Padrone gibt uns noch seine Passnummer etc. weil er doch eine relativ hohe Summe in Händen hält, die ihm nicht gehört, nur um uns glaubhaft zu machen, dass er seriös ist. Das loben wir uns, aber, gerade als wir losfahren wollen, taucht er auf. Super, jetzt kanns weitergehen.

Allen Befürchtungen zum Trotz geht das alles sehr gut. Es gibt natürlich kein Navi und ich habe in verschiedenen Foren gelesen, dass man tunlichst vermeiden sollte,  nachts zu fahren , weil alles so schlecht beschildert sei. So ist es nicht ! Alles perfekt ausgeschildert -kein Problem .

Was noch zu erwähnen ist : An jeder Tankstelle und in jedem Laden, den man betritt, werden erstmal Schuhsohlen und Hände desinfiziert. Es gibt auch Streckenabschnitte, an denen man aus dem Wagen aussteigen muss, um den Innenraum des Autos komplett auszuräuchern.

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Nach etwa 4 Stunden ziemlich eintöniger Fahrt, erreichen wir die Stadtgrenze von Camagüey. Unser Hotel liegt in der Fussgängerzone und weil es schwierig ist dorthin zu gelangen, fragen wir eine Polizeistreife. Der setzt sich ins Auto und geleitet uns direkt dorthin. Klasse, der erste Eindruck passt schon mal perfekt.

Bewachter Parkplatz außerhalb der Zone, Fußmarsch zum Gran Hotel Camagüey. Wir sind beidruckt ! Super Hotel, klasse Bad, wunderbares altes first class Haus. Ein Spaziergang durch die Fußgängerzone lässt uns stutzen. Die Läden sind sehr modern, es gibt fast alles und im Gegensatz zu Havanna sind diese auch noch voll !

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Abends suchen wir ein Restaurant zum Essen. Wir entscheiden uns für das meist besuchte. Der Laden ist voll, kann nicht verkehrt sein. Mit der Karte kommen wir nicht ganz klar, weil die Preise anscheinend in Peso gehalten ist. Frankie bestellt sich trotz meiner Warnung ein Rindersteak und bekommt eine hauchdünn geschlagene Ledersohle. Na ja, war zu erwarten. Ich esse brav auf, weil ihr wisst ja : Hauptsache was im Magen. – Wir gehen zurück ins Hotel, Frankie hat alles wieder zurückgehen lassen. In der Hotelbar  stehen Hamburger und Pommes auf der Karte, für ein Spottgeld. Wir brobieren und sind begeistert. Gleich noch eine zweite Portion ! Die Bedienung meint, das wäre doch ein super Restaurant, als wir vom Reinfall erzählen, aber natürlich nur für Einheimische, nicht für uns Touristen ! Zur Belohnung bekommt sie gutes Trinkgeld und von Frankie obendrein noch Nachhilfeunterricht, wie man einen schönen Crema-Espresso macht. Sie haben eine perfekte Faema Gastro Maschine, drücken aber den Kaffee nicht an. Die Cubaner bevorzugen aber den kleinen Schwarzen ohne Crema. Auch recht, nix für Ungut !

Fortsetzung folgt…..

3 Kommentare zu “Cuba 2012

  1. Pingback: Cuba 2012 | ReiseFreaks ReiseBlog

  2. Ich finde es ja cool, wenn jemand so für eine Region oder Land brennt wie du. Bei mir sind es die Dolomiten, die mich nicht mehr los lassen. Ja, sicher, das ist viel näher, aber ich muss einfach immer wieder hin. Inzwischen fahre ich immer in das Wanderhotel Europa (www.wanderhoteleuropa.com), um zu wandern und zu entspannen.

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